Ottos drittes Schiff neben dem Kaffenkahn-Nachbau „Friederike“ und dem umgebauten Wasserstraßenamt-Boot „Old Diez“ dürfte zu den ältesten noch in Dienst stehenden Fahrgastschiffen in Deutschland gehören. Bis zu zwölf Personen kann das kürzlich auf den Namen „Pritzerbe“ getaufte Schiff aufnehmen. An Bord gibt es eine kleine Küche und eine Toilette. „Außerdem ist Platz für Fahrräder. Das wird immer wichtiger“, weiß Reeder Otto, der vor allem für seine Fahrten auf der Unteren Havel bekannt ist. Die „Pritzerbe“ ist 16 Meter lang und drei Meter breit. Angetrieben wird das blau-weiße Schiff von einem 90 PS starken Dieselmotor.
Das war nicht immer so. Pritzerbes Ortschronist hat noch mehr herausgefunden. Ursprünglicher Antrieb war eine 40-PS-Dampfmaschine. Gebaut als Inspektionsfahrzeug mit dem Namen „Woglinde“ diente es der Deutschen Elbschifffahrts-Gesellschaft Dresden (Kette) viele Jahre als Inspektionsschiff. Nach dem Krieg war das Schiff als „Ruppin“ im Fahrgastbetrieb unterwegs. 1957 verliert sich die Spur. Damals vergab die DDR neue Registriernummern. „Es ist rätselhaft. Die ’Ruppin’ taucht nirgendwo mehr auf. Möglicherweise wurde sie außer Dienst gestellt – oder war im Westen“, mutmaßt Patzlaff.
2007 ist das Geisterschiff plötzlich wieder da. Eigner Günter Schulze aus Schopsdorf ließ das Fahrzeug als Sportboot registrieren. Schließlich erwarb Reeder Axel Otto 2011 das Schiff und gab ihm einen neuen Namen. Schiffsrumpf und viele Aufbauten sind noch original von 1898 erhalten. Das Besondere: Die Steuerung erfolgt nicht über eine Welle, sondern mittels beidseitigem Kettenzug. Auf die Herkunft der „Pritzerbe“ kam Ortschronist Patzlaff durch ein Schwesterschiff namens „Trotha“, das als Schlepper diente und 1988 abgewrackt wurde. (Von Frank Bürstenbinder)
Quelle: MAZ/17.08.11