»Uns geh’n die Matrosen aus«

»Uns geh’n die Matrosen aus« 14.09.10

Binnenschifffahrt: Unterfränkische Kapitäne plagen Nachwuchssorgen – Als Genossenschaft die Krise gemeistert

Würzburg

Sie würden ihre Erfahrungen auf Europas Flüssen gern weitergeben. Doch ihre Kinder sind daran nicht mehr interessiert. »Immer weniger wollen in die Fußstapfen ihrer Väter treten«, sagt Klaus Fuß, Vorstand der in Würzburg angesiedelten Mainschifffahrts-Genossenschaft (MSG). Die unterfränkische Binnenschifffahrt sucht darum externen Nachwuchs.

Die Potentiale der Binnenschifffahrt sind nach Ansicht der  Mainschifffahrts- Genossenschaft (MSG) längst nicht ausgeschöpft.

Immer mehr Kapitäne der 65 Schiffe, die unter MSG-Flagge fahren, stehen kurz vor dem Rentenalter, so Fuß. Anders als in den Niederlanden, wo der Beruf des Binnenschiffers populär ist, haben unterfränkische Partikuliere Probleme, Nachwuchs zu finden. Kaum ein Jugendlicher zieht in Erwägung, Binnenschiffer zu werden. Dabei wäre es einfach herauszufinden, ob er sich für den Job auf Europas Wasserstraßen eignen würde. Zum Beispiel bei einem Bordpraktikum auf einem der MSG-Schiffe.

Vom Bootsmann zum Kapitän

Verläuft das Praktikum positiv, steht in den meisten Fällen einem Ausbildungsvertrag nichts im Wege. »Leichtmatrose« heißt der Azubi im nautischen Jargon. Drei Jahre wird gelernt, nach bestandener Abschlussprüfung erhält der Matrose den Titel »Bootsmann«. »Danach steht der Weg frei, Kapitän eines eigenen Schiffes zu werden, das am besten«, schmunzelt Fuß, »unter MSG-Flagge fährt.«
Dass sich das Genossenschaftsmodell in wirtschaftlichen Krisenzeiten bezahlt macht, wurde im vergangenen Jahr deutlich.

»Deutschlandweit schlug die Rezession bei der Binnenschifffahrt ins Kontor«, sagt Martin Staats, Vorstandskollege von Klaus Fuß. Das Frachtaufkommen brach um 17 Prozent ein. Wurden 2008 noch 248 Millionen Tonnen Güter transportiert, ging das Volumen im vergangenen Jahr auf 205 Millionen Tonnen zurück. Der MSG gelang es, die Auswirkungen der Krise für ihre Mitglieder abzuschwächen. So wurde zum Beispiel zwischen Mai und September 2009 an Reeder, die ihr Schiff freiwillig stilllegten, eine Prämie aus dem Genossenschaftstopf gezahlt.
Stark zurückgegangen sind auch die Erlöse, die im Würzburger Neuen Hafen durch den Umschlag von Waren erzielt wurden. Der Güterumschlag brach 2009 im Vergleich zum Jahr 2000 um mehr als die Hälfte ein. Verursacht wurde dies unter anderem durch den Rückzug der Raiffeisenkraftfutterwerke (RKW) aus Würzburg.

Ob es in der Binnenschifffahrt gut oder weniger gut läuft, hängt neben der wirtschaftlichen Entwicklung auch von politischen Strategien ab. Hier liegt nach Ansicht der MSG noch einiges im Argen. »Wir sind lange nicht so stark im Fokus der Politik wie der Straßen- oder der Schienenverkehr«, konstatiert Martin Staats. Doch das wird sich ändern, sind die beiden MSG-Vorstände überzeugen. Verkehrsinfarkte häufen sich, das Binnenschiff als Alternative zum Lastwagen werde dadurch immer interessanter. Bis zu 200 Lkw können Staats zufolge von einem Binnenschiff der MSG ersetzt werden. Alle 65 Schiffe unter MSG-Flagge ersetzten etwa 7000 bis 8000 Trucks.

Die Wirtschaftskrise ist für Unterfrankens Partikuliere noch nicht ganz überwunden, doch die MSG hofft auf gute Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte. Die ersten Monate des Jahres 2010 waren wegen des Wetters recht schwierig. Eissperren auf dem Main und Schleusenreparaturen machten den Binnenschiffern zu schaffen.

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