Rekord an der Schleuse Kleinmachnow

2013 so viele Güter wie noch nie auf den Schiffen – In Kleinmachnow gibt es einen neuen Allzeitrekord bei den Schleusungen. Das geht aus Zahlen des Wasser-Neubauamtes Berlin hervor. Danach wurden im vergangenen Jahr mehr als 1,57 Millionen Tonnen Güter geschleust.

Die Schleuse Kleinmachnow, links die Nordkammer, die der Verein „Weitblick“ ausbauen will.

Quelle: dpa

Kleinmachnow/Fürstenwalde. In Kleinmachnow gibt es eine neuen Allzeitrekord bei den Schleusungen auf dem Teltowkanal. Das geht aus Zahlen des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin hervor. Danach wurden im vergangenen Jahr in Kleinmachnow mehr als 1,57 Millionen Tonnen Güter geschleust. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2007. Damals waren es knapp 1,12 Millionen Tonnen. Gegenüber 2012 (905.000 Tonnen) wurde ein Zuwachs von 27,9 Prozent erreicht. Er ist vor allem darauf zurückzuführen, dass mehr Nahrungs- und Futtermittel über den Teltowkanal transportiert wurden. Es handelte sich überwiegend um Produkte aus dem Futtermittel- und Getreidehandel FGL in Fürstenwalde. Die Anzahl der geschleusten Schubvebände lag 2013 bei 1234, die Zahl der Tankschiffe bei 247. Container wurden nicht über den Teltowkanal gefahren.

Auch wenn es im Laufe der Jahre keine kontinuierliche Steigerung des sogenannten Güterdurchgangs gab, der Verein „Weitblick ‒ Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaft und Logistik“ sieht sich durch die neuen Zahlen in seiner Forderung bestärkt, die Nordkammer in Kleinmachnow und die Schleuse Fürstenwalde auszubauen. Da die Bundesregierung entsprechende Pläne gestoppt hatte und nur noch eine Sanierung plant, hatte der Verein im vorigen Jahr dem Bundesverkehrsministerium angeboten, beide Anlagen für einen symbolischen Euro zu kaufen, auszubauen und zu übernehmen. Im November gab es ein Gespräch im Ministerium.

Wie der Vereinsvorsitzende Dietmar Raschmann am Mittwoch der MAZ sagte, wird der Verein dem Ministerium Ende Januar ein präzisiertes Angebot unterbreiten. Es werde in Auswertung des Gesprächs vom November eine rechtliche Wertung sowie technische Spezifikationen enthalten. Im Februar werde es ein Treffen auf Arbeitsebene im Ministerium geben und im März ein Spitzengespräch. Die Parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU) sagte dazu auf Anfrage, hoheitliche Befugnisse des Bundes blieben von dem Vorschlag des Vereins unberührt. Bei der Konkretisierung des Vorschlags habe der Verein „noch viel Arbeit zu leisten“.

„Weitblick“ geht davon aus, dass ein Bedarf von fünf Millionen Tonnen Güter pro Jahr besteht. Der Geschäftsführer der Chemie- und Tankanlagenbau GmbH Reuther in Fürstenwalde, Finn Meelgard, sagte dieser Zeitung: „Wir wollen unsere Generatoren für Offshore-Anlagen auf dem Wasserweg transportieren.“ Ohne Standardschiffe, wie sie zum Beispiel auf dem Rhein unterwegs sind, sei aber kein wettbewerbsfähiger Transport möglich. Mit ausgebauten Wasserwegen könnte die Firma mehr Anlagen produzieren und verkaufen und zusätzliches Personal einstellen.

Vereinschef Raschmann sieht im Ausbau der Nordkammer in Kleinmachnow auch einen Vorteil für die Feizeitschiffer. Für sie stünde dann ständig die Mittelkammer zur Verfügung. Der Verein argumentiert vor allem mit der Umweltverträglichkeit der Binnenschifffahrt. In einer im August 2013 an den Bundestag gerichteten Petition heißt es, allein auf der West-Ost-Wassermagistrale zwischen Berlin und Eisenhüttenstadt könnten jährlich 5,5 Millionen Gütertonnen transportiert werden. Dies entspreche einer Entlastung auf den Straßen von 250.000 Lastwagen pro Jahr. Die Petition ist nach Angaben Raschmanns bisher von mehr als 20.000 Menschen unterzeichnet worden, darunter vom brandenburgischen Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). 50000 Unterschriften sind nötig, damit sich der Bundestag mit der Petition befasst. Raschmann sieht es schon mal als einen Erfolg an, dass das Interesse der Verlader an den Wasserstraßen spürbar zugenommen hat.

Nach dem Verkehrsprojekt Nummer 17 Deutsche Einheit von 1991 hätte der Ausbau der Schleusen von Kleinmachnow längst erfolgt sein müssen. Bürgerinitiativen waren dagegen Sturm gelaufen. Als schließlich ein Stopp des Ausbaus verfügt wurde, machte sich bei ihnen Erleichterung breit. Die Bürgerinitiativen hatten mit dem Eingriff in die Umwelt argumentiert und den Nutzen des Ausbaus in Abrede gestellt, da die Kapazität der Schleuse schon jetzt nicht ausgelastet sei. Axel Mueller von der Bürgerinitiative „Pro Kanallandschaft“ Kleinmachnow sieht auch im jetzigen Anstieg der Schleusungszahlen kein Argument für den Ausbau. Er verweist auf Prognosen von 1990/91. Damals war davon ausgegangen worden, dass einmal Schiffe mit etwa 15 Millionen Tonnen Fracht geschleust werden müssen.

Von Stephan Laude/MAZ/09.01.14

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: