Archive for Oktober 2015

Rainer Wille ist der dienstälteste Kapitän bei Stern und Kreis

2015/10/05

R. Wille

In der Innenstadt muss Rainer Wille oft das Funkgerät benutzen. (Foto: Ralf Drescher)

Sein Haus steht in Kaulsdorf, aber der Treptower Hafen ist seit fast einem halben Jahrhundert seine zweite Heimat. Nach 47 Dienstjahren geht Rainer Wille vier Wochen vor Weihnachten in Rente. Als dienstältester Käpt’n der Stern und Kreis Schiffahrt.
Dabei ist er eigentlich kein Kapitän, sondern ein Schiffsführer. Eine Kapitänsmütze braucht er nicht und die vier goldenen Streifen kommen nur für das offizielle Foto auf das blütenweiße Hemd, an dem man schon von Weitem den Chef erkennt. Derzeit führt er das Motorschiff „Stern“ mit 90 Plätzen. Eingesetzt wird es vor allem für die beliebten einstündigen Innenstadtfahrten.

Um zum Anleger am Berliner Dom zu kommen, sind rund 60 Minuten Anfahrt und die Schleusung in der Mühlendammschleuse nötig. Zeit genug, für ein Gespräch mit Käpt’n Wille.

Der stammt eigentlich aus Mahlsdorf, hat aber als Kind viel Zeit bei den Großeltern an der Müggelspree in Neu-Venedig verbracht. Dort wurde die Liebe zum Wasser geweckt. „Mit 14 hatte ich schon ein eigenes Paddelboot, habe damit Spree und Müggelsee erkundet und bin auf eine Brause zum Restaurant Neu-Helgoland geschippert“, erzählt er. Der Großvater war es auch, der ihm den Weg zum VEB Fahrgastschiffahrt ebnete. Dort erlernte Rainer Wille den Beruf des Matrosen der Binnenschiffahrt, fuhr eine Zeit lang als Bootsmann und bekam die begehrte Delegierung zum Schiffsführerlehrgang. „In der Saison 1974 hatte ich mit der ,Picasso‘ mein erstes eigenes Schiff, fuhr damit von Friedrichshagen über Müggelspree und Löcknitz nach Alt-Buchhorst“, erinnert sich Rainer Wille.

In den folgenden vier Jahrzehnten hat er viele der Schiffe gefahren, die im Treptower Hafen ihre Heimat hatten. In den 70ern ging er sogar mit dem Kabinenschiff „Spree“ auf sechstägige Kreuzfahrten von Lehnitz nach Stettin. Aus DDR-Zeiten stammt noch der bei Kollegen immer noch beliebte Spitzname Zille-Wille. Erstens sieht Wille dem berühmten Pinselheinrich jüngerer Jahre durchaus ähnlich und zweitens hat er mehrere Jahre das Motorschiff „Heinrich Zille“ geführt.

Nach dem Mauerfall startete er im Februar 1990 mit seinen Kollegen aus dem Treptower Hafen zu einer ersten Bereisungsfahrt gen Westen, um die Örtlichkeiten kennenzulernen. Ab Frühjahr 1990 waren die Schiffe der „Weißen Flotte“ dann wieder in ganz Berlin unterwegs.

Gefahren ist Rainer Wille ganz besonders gern auf den längeren Strecken bis nach Bad Saarow oder Neuruppin. „Da sind auch die Fahrgäste viel entspannter und wollen nicht jede Minute was Neues erleben“, sagt er dazu.

Den Spreekapitän hat es übrigens nie auf die Weltmeere gezogen. „Ich bin ein bodenständiger Mensch und froh, wenn ich abends im eigenen Bett schlafen kann. Mehrere Monate ohne Kontakt zur Heimat wären nicht mein Ding gewesen“, sagt Rainer Wille. Ganz los lassen wird ihn das Wasser nicht. Erstens wird er auch als Rentner auch mal Kollegen am Ruder vertreten und zweitens wird er sich gelegentlich ein Motorboot mieten, um seine eigene Tour zu fahren – irgendwo zwischen Spree, Dahme und Müggelsee.

Quelle/Berliner Woche, RD

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Schiffahrt sucht nach neuen Wegen

2015/10/05

Kalkar/30.09.15
Die Fachmesse für Binnenschifffahrt öffnete zum zweiten Mal ihre Pforten – dieses Jahr setzen die Veranstalter auf innovative und umweltfreundliche Trends.

Deutschland lässt seine Binnenschiffer im Regen stehen.

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Partikular Rolf Bach, Foto 2015 Schiffe.de

Rolf Bach, Vertreter des Branchenverbandes MSG, sagte gestern auf einer Fachmesse in Kalkar, dass sich Deutschland vor fortschrittlichen Lösungen in der Binnenschifffahrt sträube. Wenn es darum gehe innovative Techniken im Schiffsbau zu fördern, sei man oft auf sich alleine gestellt. In den Niederlanden würden die Binnenschiffer vom Staat viel stärker unterstützt, so Bach. Hier werde auch mehr Forschung und Entwicklung betrieben. Dementsprechend sei die deutsche Binnenschifffahrt auf vielen Feldern rückständig. Rolf Bach hat gestern einen Innovationspreis in Kalkar überreicht bekommen. Er hat sein viermotoriges Binnenschiff umgerüstet und damit enorme Mengen Diesel-Kraftstoff eingespart bei gleichzeitig höherer Ladungslast. Sein Schiff verbraucht nun 100 000 Liter Diesel weniger, das sind 20 Prozent seines Kraftstoffverbrauches.

Im Kongresszentrum Wunderland startete die Fachmesse ‘Shipping, Technics, Logistics’ (STL). Hier werden die neuesten Trends und Entwicklungen in der Branche vorgestellt. So bewertete Dirk Sobotka von der Reederei A-Rosa Flusskreuzfahrten die gegenwärtige Situation in seiner umstrittenen Branche. Er beklagte: „In den wirtschaftlichen Lobbys und politischen Förderprojekten geht es immer nur um die Verringerung von Abgaswerten und nicht um andere Möglichkeiten der Energieeinsparung“. Auf den Kreuzfahrtschiffen seines Unternehmens arbeitet er als Direktor für strategische Entwicklung etwa an einem intelligenten Beleuchtungskonzept. „Durch die Umstellung von Halogen auf LED gelang es uns 30 Kilowatt einzusparen.“, berichtete der Diplomingenieur.Durch die abwechslungsreiche Diskussion, die im Anschluss an drei Präsentationen aus der Schifffahrtspraxis stattfand, führten die Vertreter der beiden großen Fachzeitschriften „Binnenschifffahrt“ und „Schifffahrt und Technik“. Hans-Wilhelm Dünner, der Herausgeber von „Schifffahrt und Technik“, freute sich über die gute Annahme der Workshops, die im Umfeld der Fachmesse angeboten wurden. „Rund 100 Branchenvertreter haben sich für das Programm, das eine Symbiose aus Messe und Konferenz darstelle, angemeldet“, sagte er im NRZ-Gespräch. Als besonders positiv stellte er heraus, dass nach über 14 Jahren mit der Messe Kalkar ein einzigartiger Standort für das Thema Binnenschifffahrt gefunden werden konnte. Hingegen versteht Staats die Messe als Präsentationsplattform einer Branche, die auf 7 500 Kilometern Wasserstraße Leistungsfähigkeit demonstriere.

Dominik Achtermeier

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